Das Dach, Teil 3
Dachdecker- und Spenglerarbeiten

Erneut hatten wir unglaublich Glück mit dem Wetter! Für die Ziegeleindeckung waren wir auf schönes Wetter angewiesen und dieses spielte bestens mit. Nicht ein einziges Mal mussten wir wetterbedingt eine Pause einlegen. Bevor wir aber mit der Ziegeleindeckung beginnen konnten, mussten sämtliche Spenglerarbeiten abgeschlossen sein.
Für einige der Spengler- und Dachdeckerarbeiten orientierte ich mich an dem 1931 erschienenen Buch „das Dachdeckerhandwerk in der Schweiz“ von Dachdeckermeister Henri Waller.

Für die Spenglerarbeiten engagierte ich die Firma V. + R. Isler Spenglerei aus Wohlen. Mit René und Remo Isler hatten wir sehr kompetente und motivierte Spengler engagiert, die sämtliche Herausforderungen an unserem nicht ganz 08/15-Dach, mit Bravour meisterten. Eine der Herausforderungen war das Einkleiden der vier Rundgauben. Mit Schablonen aus Papier konnten sie die Masse abnehmen, um das Blech dann in der Werkstatt zu richten. Der Anschluss an das Blech, welches liegend auf dem Dach montiert wurde, musste perfekt stimmen, da dort die Verbindung genietet und gelötet wurde. Zudem musste das Blech auf der Rundgaube satt anliegen.
Sämtliche Spenglereinkleidungen wurden aus Kupfer gemacht. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass die neuen Dacheinbauten wie Rundgauben und Dunstrohre im historischen Bild des Daches nicht allzu dominant wirken. Zudem konnte so die alte Dachrinne wieder verwendet werden. Auch die bestehenden Fallrohre werden später wieder montiert.
Eine Besonderheit findet sich auch beim Ablauf der Dachrinne. Dort haben die Spengler nämlich einen Rinnenkessel mit eingepresstem Stern verbaut; dies war früher so üblich und durfte auch an unserem Dach nicht fehlen. Später wird der Rinnenkessel dann mit einem „Schwanenhals“, der das Wasser in das Fallrohr leitet, ergänzt.

Nachdem die Spenglerarbeiten abgeschlossen waren, konnte unsere Dachdecker Martin Hoffmann aus Reinach AG zusammen mit meinem Praktikanten Tobias mit dem Eindecken des Daches beginnen. Martin ist selbständiger Zimmermann und verfügt über ein enormes Fachwissen betreffend historische Bauten. Er hat nicht nur das Dach gedeckt, sondern ist mir auch bei den historischen Detailfragen rund um das äussere Erscheinungsbild des Seckelmeisterhauses mit Rat zur Seite gestanden.
Das Dach wurde gänzlich mit handgemachten Biberschwanzziegeln eingedeckt. Von den rund 7500 Stück, die wir benötigten, stammen 2500 Stück von der bestehenden Eindeckung. 2000 Stück konnten wir anfangs des Jahres bei einem Abbruchobjekt holen und 3000 Stück mussten wir zukaufen. Die gekauften Ziegel haben wir bei der Otto Meyer AG aus Büron bezogen, welche mit antiken Baumaterialien handelt und diese auch selber von Abbruchobjekten beschafft.
Das Dach wurde wie bestehend, mit einer Einfachdeckung gedeckt, d.h. die Ziegel werden ohne Versatz in Bahnen übereinander gelegt. Dadurch hat es jeweils zwischen zwei Ziegeln eine Fuge, bei welcher auch Wasser durchrinnen kann. Früher, als der Dachstock noch kalt war und man von innen an die Ziegel sehen konnte, wurden diese Spalten mit Holzschindeln unterlegt, die man dann regelmässig auswechseln musste. Da wir nun einen gedämmten Dachaufbau haben, kann auch nicht mit Holzschindeln gedeckt werden, da man diese von innen nicht ersetzen kann. An deren Stelle verwendeten wir Abdichtungsbahnen aus Kunststoff, sogenannte Secuplate. Diese werden vollflächig unter den Ziegeln auf die Dachlatten genagelt.
Begonnen mit der Montage haben wir auf einer Seite des Ortgangs. Hier musste die Ziegelleiste vorgängig ausgeschnitten werden, damit jeder Ziegel sauber aufliegt. Die Ortgangziegel wurden geschraubt, sodass auf die „unschönen“ Sturmklammern verzichtet werden konnte. Von nun an wurde Reihe an Reihe gelegt, wobei wir jeden Ziegel einzeln ausgemessen haben, um mit den einzelnen Reihen immer mehr oder weniger übereinander zu bleiben. Zudem konnte Martin mit den unterschiedlichen Breiten auf das leicht trapezförmige Dach bestens eingehen. Die verbauten Ziegel wiesen eine Massdifferenz in der Breite von bis zu 3cm auf, d.h die Breiten schwankten zwischen 14.5cm und 17.5cm. Beim Verlegen war es ihm zudem sehr wichtig, dass die Ziegel spaltenlos aneinander zu liegen kamen. Dadurch beugt man späteren Frostschäden oder Vermoosungen vor. Eine besondere Herausforderung stellten auch für den Dachdecker die Rundgauben dar. Die Ziegel wurden hier mit 5cm Abstand an die Gaubenrundung angepasst. Dieser Abstand ist nötig, damit das Regenwasser von der Gaube und dem Dach darüber gut abgeleitet werden kann.
Am First kamen neue, brünierte Firstziegel von der AGZ Ziegeleien AG aus Gettnau zum Einsatz. Auch diese wurden mit Schrauben befestigt, um keine sichtbaren Klammern zu haben. Zudem wurden gemäss Vorschrift auch Sicherheitshaken im Dach montiert sowie Schneefänger gegen die Gefahr von Dachlawinen.

Mit der Fertigstellung des Daches wurde ein Meilenstein erreicht, welchen wir gebührend mit sämtlichen Beteiligten feierten. Ich bin sehr froh darüber, dass alles reibungslos verlaufen ist und uns auch das gute Wetter nicht im Stich gelassen hat.

Einige Fakten zum Dach habe ich herausgesucht und möchte diese interessanten und zum Teil erstaunlichen Zahlen teilen:

eingeblasene Dämmung                              3200  kg
verbautes Holz                                                17.5    m3
Dachfläche                                                      300    m2
Anzahl Ziegel                                                 7600  Stk
Anzahl Arbeitsstunden                               1500  h

Ausblick:
Mitte November werden die bestellten Fenster der Firma Vogel Fensterbauer AG hergestellt sein, welche wir umgehend montieren werden. Zudem werden wir die Fertigung der Fensterläden in Angriff nehmen. Zeitgleich wird Armin Sidler, unser Maurer, mit den Dämmputzen im Innern des Hauses beginnen. Ich freue mich riesig darauf, nach diesem schönen Sommer nun in der Winterzeit im Innern des Hauses endlich so richtig loszulegen.

8 Comments

  • Lieber Simon

    Da kann man ja nur staunen. Was Du da geleistet hast! Als Laie scheint das alles fast wie ein Wunder. Das ganze Haus
    nimmt moderne Formen an. Das kann ja noch sehr gut werden. Vielleicht kann ich dann das sogar nochmals sehen.

    Gratulation und liebe Grüsse Monika

  • Von den ersten Arbeiten bis heute verfolge ich den Baufortschritt und bin begeistert, was man aus einem alten Haus machen kann, ohne den alten „Charakter“ des Hauses zu verlieren. Man sieht hier, dass hohe Fachkenntnis, gepaart mit Begeisterung, ein tolles Resultat hervorbringen kann.

  • Sehr interessant mal bei echter Dachdeckerei und Sprenglerei hinter die Kulissen zu sehen. Man geht tagtäglich an so vielen Häusern vorbei und denkt gar nicht daran, wie viel Arbeit in so etwas steckt! Besonders schön finde ich die Spengler-Einkleidungen aus Kupfer.

  • Da hätte ich lieber die alten historischen wunderschönen Biberschwanzziegel doppel gedeckt. Die meisten Dächer in Biberschwanzziegel in der Schweiz sind doppelgedeckt.Eine Einfachdeckung macht man heute sehr selten, sehr schade…

    Gruss Jakob

    • Lieber Jakob
      Da gebe ich dir natürlich recht. Eine Eifachdeckung ist aber im Falle des Seckelmeisterhauses aufgrund des Befundes historisch korrekt. Dieses Haus war seit der Erbauung 1805 immer einfach gedeckt.

  • Das nennen ich arbeiten! Auf die Fertigstellung des Daches wartet auch unser Haus! Dadurch würden wir einen Meilenstein auch erreicht haben, nur der Innenputz wird dann bleiben. Recht vielen Dank für die Zahlen, wirklich erstaunlich!

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